Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 floh ihre Familie vor der zunehmenden Entrechtung und Verfolgung jüdischer Menschen in die Niederlande. Nach der deutschen Besetzung 1940 verschärfte sich auch dort die antisemitische Verfolgung. Ab Juli 1942 versteckte sich Anne gemeinsam mit ihrer Familie und vier weiteren Menschen in einem Hinterhaus in Amsterdam.
Während der mehr als zweijährigen Zeit im Versteck führte Anne Tagebuch. Sie schrieb über Angst, Einsamkeit und die bedrückenden Lebensbedingungen, aber ebenso über ihre Hoffnungen, ihre Zukunftspläne und ihren Wunsch nach Freiheit. Ihr Tagebuch zeigt damit einen Menschen im Kontrast zu der nationalsozialistischen Ideologie, die Millionen Menschen entrechtet und herabwürdigt. Gerade diese persönliche Perspektive macht die Verbrechen des Nationalsozialismus unmittelbar und begreifbar.
Im August 1944 wurde das Versteck entdeckt. Anne und die anderen Untergetauchten wurden deportiert. Anne wurde im Februar 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet, wenige Wochen vor dessen Befreiung. Ihr Vater Otto Frank überlebte als einziger der Familie und veröffentlichte später ihr Tagebuch.
Heute ist Anne Franks Tagebuch weit mehr als ein historisches Dokument. Es erinnert daran, dass rechte und rassistische Ideologien nicht mit der offenen Forderung nach Gewalt beginnen müssen. Ausgrenzung, die Einteilung von Menschen in „Wir“ und „die Anderen“ unter dem Deckmantes von Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus und die Abwertung demokratischer Institutionen können den Boden bereiten, auf dem Verfolgung und Gewalt entstehen.
In einer Zeit, in der rechtsextreme, antisemitische und rassistische Positionen erneut gesellschaftlich sichtbar sind, besitzt Anne Franks Geschichte deshalb eine besondere Aktualität. Ihr Tagebuch fordert dazu auf, Menschenwürde und demokratische Freiheit nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Anne Frank selbst konnte sich dem nationalsozialistischen Terror nicht entziehen. Ihr Tagebuch aber überdauerte ihn – und wurde zu einer Stimme gegen Hass, Ausgrenzung und die Entmenschlichung politischer Gegner und gesellschaftlicher Minderheiten. Seine antifaschistische Bedeutung liegt gerade darin, Erinnerung mit der Verantwortung der Gegenwart zu verbinden.
